Aus dem Atelier

Wie eine Hutgarnitur aus Hortensienblüten entsteht

Bei einem maßgefertigten Hut gibt es Einiges zu besprechen: Welches Material ist gewünscht, welche Form und welche Farbe? Und natürlich: Wie könnte die Garnitur, der Hutschmuck, gestaltet sein?

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Wer bei Gaschler Hut/Design eine Maßanfertigung in Auftrag geben möchte, sollte am besten persönlich in das Atelier der Modistin Teresa Gaschler in der Hamburger Koppel 66 in St Georg kommen. Bei einer Anprobe kann die Hutform bestimmt werden, die Farbe und natürlich die Garnitur. Das ist der Schmuck, der dem Hut zusätzlich zu seiner Form den einzigartigen Charakter gibt. Ein aktuelles Damenmodell, das die Designerin auch der Wochenzeitung „Die Zeit“ präsentierte, eignet sich besonders, um den Ablauf einer Maßanfertigung vorzustellen. Basis ist in diesem Falle ein Hutrohling aus den sechziger Jahren, ein Original, wie es in Qualität und Farbigkeit kaum noch zu bekommen ist. Der Rohling aus Buntalstroh stammt aus den Nachlassbeständen einer Hamburger Hutmacherin. Die besondere Webform lässt die Oberfläche noppig wirken, ein bisschen wie gepunktet.

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An einer Seite des altrosa Strohhutes hat Teresa Gaschler eine Garnitur aus Hortensien drapiert. Dafür hat sie aufwendig gefaltetes Papier benutzt, das sie in drei bis vier Schichten bunt lackiert hat – so, dass die changierende, zarte Färbung der Blütenblätter imitiert wird. Für das perfekte Material hat die Designerin lange suchen müssen, denn kein Stoff und keine Feder konnten die kleinen Elemente, die den Charakter einer Blüte ausmachen, genau wiedergeben. Durch die Wahl der Lackfarben, sind auch andere Hortensiensorten als Hutschmuck denkbar, die Tönung ist frei wählbar.

Die Papierblüten sind auf einen Federkiel gezogen, den Stempel der Blüte bildet eine kleine Swarovski-Perle. Mit einer bronzefarbenen Paillette ist die Position des Papiers am Federkiel fixiert und die Perle gesichert. Nun werden die einzelnen Blüten, fünf bis sieben Stück, zu einem Bündel zusammengefasst. Aus den Bündeln entsteht dann die füllige, große Blüte mit ihren verschieden tiefen Ebenen.

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Abschließend werden die Hortensienblüten mit hellgrün gefärbten Gänsefedern hinterlegt und zusammen mit einzelnen Strohstreben raumgreifend an den Hut gesteckt. Das eigene Färben der Gänsefedern erlaubt die genaue Kontrolle des Farbtons. So können die Nuancen präzise auf Kleidungsstücke, Handtaschen oder Schuhe der Kundinnen abgestimmt werden. Wo genau die Hortensienblüten am Hutmodell sitzen, ist eine Frage der Proportion – und natürlich des Geschmacks der Kundin. Die Garnitur, egal wie aufwendig, sollte die Hutträgerin optisch nicht erschlagen, es muss locker und leicht wirken, wie gehaucht. Deswegen werden die einzelnen Elemente zunächst bloß gesteckt – erst, wenn alles perfekt sitzt, wird die Garnitur per Hand an den Hut genäht.

 

Ihre Begeisterung für das alte Handwerk der Hutmacher/innen lebt die Kunsthistorikerin Paula Schwerdtfeger in kleinen Blogeinträgen für Gaschler Hut/Design aus.